Pessoa is new – in neuer Besetzung
2014 fanden sich die beiden Musikerinnen und Künstlerinnen Felician Siebenstärn und Mimi Ventura während nächtelanger Gespräche und Improvisationen in Felicians Atelier zusammen und entwickelten ein musikalisch-lyrisches Programm …
Beeindruckt von dem Zitat des portugiesischen Dichters
Bin nicht nichts,
werde niemals nichts sein,
darf nicht wollen, nichts zu sein.
Neben dem sind in mir alle Träume der Welt!
Neue EP erscheint April 2018
„Hunt“ acoustic version 2015
Sie können alles sein, auf der Bühne, wie auch in ihren Liedern – wollen alles sein und Träume … ja, Träume werden zu Songs und Songs werden zu Geschichten.
Dies kann man hautnah hören und erleben, wenn Pessoa mit drei kraftvollen Stimmen, die aus eigenen Federn stammende Musik in die Welt werfen.
Als gäbe es niemals nichts.
Als gäbe es nur das Jetzt und Hier.
Musik, Musiker und Zuhörer, eins. Zusammen.
Nach zahlreichen Auftritten u.a. im Ehemaligen Ostwall Museum Dortmund entstand 2016 die erste EP mit 4 Songs – gemischt und gemastert von dem wunderbaren niederländischen Pianisten und Komponisten Roland Stolk, der zeitweilig Pessoa begleitete.
2017 weitere Auftritte z.B. im SoundGarten im Sauerlandpark
2018 kamen Bodi Balbao, Pascal Ihde und Jürgen Borchert zu Pessoa und geben der Musik eine wiederum neue Färbung…
Woodstock lässt grüßen und es geht immer um ETWAS!
Pessoas Songs sind Leben!
Pessoa ist…
Felician Siebenstärn (voc, guitars, composing)
Mimi Ventura (voc, effects, composing)
Anibal Batista (voc, guitars, composing)
Bodi Balbao (bass)
Jürgen Borchert (keys, piano, hammond)
Pascal Ihde (drums)
Gemeinsam machen diese sechs Künstler Pessoa zu dem, was es ist: Die andere Art Musik zu erleben. Nah und kraftvoll.
Ein Feuerwerk von lebendigen Worten, die von Melodien getragen werden, die es in sich haben. Pessoa lebt seine Musik.
Brigitte Felician Siebrecht „codes und tapes“
(Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung im Kunstbetrieb am 06.05.2017)
Anlässlich der Einzelausstellung „codes und tapes“ im Kunstberieb Dortmund 2017 entstand folgender Review der Kunsthistorikerin Simone Rikeit zu Brigitte Felician Siebrechts Arbeiten:
Unter dem Titel „codes und tapes“ zeigt Brigitte Felician Siebrecht hier im Kunstbetrieb bis zum 2. Juni Arbeiten verschiedener Techniken aus den letzten Jahren.
Die in Frankfurt geborene Malerin und Mediendesignerin verbindet in dieser Ausstellung einen Teil ihrer verschiedenen Ausbildungen und Professionen: so unter anderem ein Studium der „Freien Malerei“ und eine Ausbildung zur Mediendesignerin.
Mit dem 2013 entstandenen querformatigen und interaktiv angelegten Druck „we’re readable“ spielt Siebrecht auf diverse gesellschaftliche und politische Aspekte an, die nach wie vor sehr aktuell sind.

Zu sehen sind verschiedene Personengruppen, Demonstranten, ein Mann mit Gasmaske, ein Panzer vor einer zunächst als Ornament wahrnehmbaren Wand. Eine weibliche Figur hält uns mit aufgerissenem Mund die Forderung „We want democracy“ vor Augen. Auf einem aufgeklebten Zettel steht: „Wieviel von dem, was wir sehen, dürfen wir noch glauben?
Es sind Bilder, wie wir sie aus dem Arabischen Frühling oder dem Ukraine-Konflikt kennen, Bilder, die aber ebenso übertragbar sind auf die Ereignisse in der Türkei im letzten Jahr und den vergangenen Wochen.
Bei weiterem Hinsehen wird sichtbar, dass es sich bei den Ornamenten um QR-Codes handelt. Es sind von Siebrecht selbst generierte Codes, sogenannte DataMatrix Codes , hinter denen sich Textfragmente aus Wikileaks, vom Chaos Computer Club oder aus Polizeilichen Personenprofilen verbergen. Der Betrachter hat die Möglichkeit, mit dem Smartphone und einem Code-Reader die Zeichen abermals zu entschlüsseln und wird auf Sätze stoßen wie: „Internet-Nutzer werden umfassend überwacht“.
„We’re readable“ wirft Fragen auf.
Es sind Fragen wie zum Beispiel:
Welche Daten-Spuren hinterlassen wir?
Welche Auswirkungen hat digitaleTransparenz auf uns und die Gesellschaft?
Welchen Bildern, Nachrichten und Informationen können wir glauben?
Wie funktioniert Demokratie, Selbstbestimmung, Freiheit in Zeiten massenhafter Datenspeicherung und Überwachung?
Berührt diese Arbeit gesellschaftliche bis hin zu politischen Themen, beschäftigt sich „where is my code?“ auf der gegenüberliegenden Wand eher mit dem Individuum.
Ausgehend von einem Portraitfoto, dies kann ein im Internet gefundenes oder selbstgemachtes Foto sein, verwendet Siebrecht neben dem eigentlichen Bild die Codierung der Bilddatei und legt sie über oder unter die gestalterisch reduzierten und von schwarzen Flächen begleiteten Gesichtsformen.
Es sind Zahlen, Buchstaben und Zeichen. Sie zu verstehen und zu entschlüsseln, gelingt nicht.
Die Künstlerin reproduziert, zerlegt und seziert hier im übertragenen Sinne den Menschen und seine „Codes“ auf unterschiedlichen Ebenen und läßt, wie sie selbst sagt, eine „rekursive Schleife“ entstehen. Bei uns mögen Fragen nach den genetischen oder psychologischen Codes, nach den Innen- und Außenbildern und -wirkungen entstehen.
Untersucht Brigitte Felician Siebrecht hier die gestalterische Qualität von Codes, von Zahlen und Konzeptuellem, Rationalem, maschinell oder mathematisch produzierten Inhalten, stehen bei dem Malereien im vorderen Bereich des Ausstellungsraumes ganz andere Dinge im Vordergrund.
Hier ist es der Körper, die Geste und das Gefühl.
Den Bildern liegt in den meisten Fällen, wie auch bei dem Gemälde „Wimpernschlag“ aus dem letzten Jahr, graues Tapeband zugrunde, mit dem Siebrecht der locker gespannten Leinwandfläche habhaft wird.
Mit dem Tape gibt sie eine Struktur auf der Leinwand vor, eine Art Stütze.
Diese wird mit Farbspritzern, gespachtelter und gemalter Farbe überarbeitet, so dass oft eine reliefartige Struktur entsteht.
Dass sie die Leinwand nicht nur als reinen Funktionsträger sondern als gestalterischen Teil des Bildes begreift, wird durch die lockere Aufspannung deutlich.
Auch die Malerin selbst steht nicht ruhig an einer Leinwand. Das ein oder andere Mal liegt die Stofffläche auf dem Boden und wird von allen Seiten bearbeitet.
Diese Arbeitsweise erinnert an diejenige des amerikanischen Künstlers Jackson Pollock, der ebenfalls durch Herumschreiten und -laufen seine Körperbewegungen in das Bild mit eintrug und die zu gestaltende Fläche allseitig bearbeitete.
Siebrecht tut dies ebenso durch weit ausladende, gestische Armbewegungen, wie sie beispielsweise der deutsche Informelkünstler Karl Otto Götz ab der Nachkriegszeit mittels seiner Rakeltechnik umsetzte.
Aus den verschiedenen gestischen und abstrakten Gemälden mit freien Formen und Farben sticht eines heraus: Es ist ein Bild, das einen abstrahierten Kopf zeigt. Es bildet die formal-thematische Klammer zum hinteren Teil des Ausstellungsraumes und ist gleichzeitig der Hinweis auf eines der Hauptthemen von Brigitte Felician Siebrecht in ihrer Kunst: das Portrait, auch wenn es hier in der Ausstellung seltener vertreten ist.
Ging es bei den Arbeiten im hinteren Teil des Raumes um die künstlerische Qualität von Codes, Zahlen und Zeichen, um das konzeptuelle Arbeiten, geht es hier bei den Malereien um das Gefühl, die Intuition, das mitunter Ungeplante und das Körperliche.
Doch auch hier ist der Betrachter, sind wir eingeladen, aktiv die Bilder zu betrachten. Details aus der Nähe zu sehen und wieder Abstand zu nehmen, um das Ganze zu erfassen.
Brigitte Felician Siebrecht zeigt mit ihrer Ausstellung hier im Kunstbetrieb ihre äußerst mehrschichtige, künstlerische Arbeitsweise.
Im eher wortwörtlichen Sinne mehrschichtig, weil sie abfotografiert, Dateicodes freilegt oder QR-Codes generiert, druckt, Inhalte übereinanderlegt, überklebt, überspachtelt, überspritzt und übermalt.
Im übertragenen Sinne, weil sie mit ihrer Arbeit auf vielschichtige Art und Weise Fragen aufwirft, Denkanstöße gibt, entschlüsselt und verschlüsselt oder uns emotional, intuitiv berührt.
Sie selbst zeigt sich dabei in einer Ganzheitlichkeit, zwischen Ratio, Konzept und zeichenhafter Reduktion einerseits und materieller Fülle, emotionaler Geste und Spontanität andererseits. Pole, in denen wir Betrachter uns spiegelbildlich und rein menschlich sehr leicht wiederfinden können. Eben diese scheinbaren Gegensätze, die nur durch Zulassen zu einer Ganzheitlichkeit führen können, bringt das Gemälde „DAs TAO der Selbstauflösung – Lasse alle Widersprüche in dir zu“ zum Ausdruck.
Where is my Code
spielt mit der Doppeldefinition der Bildelemente: Sie sind sowohl inhaltlicher, als auch funktionaler Bestandteil des Bildes.
Durch die gestalterische Einbindung des Source Codes des Bildes nach Fertigstellung, entsteht eine Art rekursive Schleife. Das Bild enthält sich selbst, während sich der Ausgangspunkt umstülpt und damit zum gestalterischen Element wird.
> Ich beginne mit musterartigen, kleinteiligen Krakeleien, die das Gesamtbild zunächst in einer Art Chaos anlegen.
> Zusammenfassung mittels einfacher gesetzter Flächen
> Bildung grafisch-linearer, übergreifender Bezüge.
Während die Serie 2014-2016 mit lyrischen Textelementen arbeitete,
verwende ich 2017 den Digitalen Code – quasi die „DNA“ – des fotografierten Bildes.
Diesen entnehme ich der Digitalen Datei mittels eines Script Editors.
Fragmente des digitalen Textcodes verwende ich nun wiederum als gestalterisches Element –
durch diese Selbstreferentialität entsteht eine Art rekursive Schleife
und ein Hin und Her zwischen Funktion und bildhafter Bedeutung.




Einige meiner Arbeiten aus der Serie „Where is my Code“
sind Teil der Sommeraktion der Galerie Luzia Sassen.
galerie luzia sassen
Luxemburger Str. 345 | 50939 Koeln
Tel.:+49 (0) 2248 44 53 45
Fax:+49 (0) 2248 44 53 46
luzia.sassen@galerieluziasassen.de
Unser Öffnungszeiten:
Mi.-Fr.: 14 bis 19.00 Uhr
Sa.: 10.00 bis 14.00 Uhr
Sekretariat: Mo.-Fr. 8.00 bis 20.00 Uhr
und gerne nach Vereinbarung
AUSSTELLUNG
1.8.2017 – 30.9.2017
Theater Fletch Bizzel
Humboldtstraße 45
44137 Dortmund
http://www.fletch-bizzel.de/
Öffnungszeiten
Mo -Fr 10 – 18 Uhr
sowie am Wochenende bei Veranstaltungen
Ausstellungstext
Ausstellung Fletch Bizzl Juli 2017
Tapes, Codes, Symbole
Brigitte Felician Siebrecht
Die Ausstellung zeigt Malerei, Grafik und Drucke aus verschiedenen Serien der im Iserlohner Künstlerdorf Barendorf arbeitenden Künstlerin Brigitte Felician Siebrecht.
Tapes
In den abstrakt informellen Malereien wendet sich Siebrecht in immer neuer Weise der Erfassung der Fläche zu. Bildübergreifende gestische Bewegungen verbinden die Tiefenperspektive der Farbe mit einer teils sehr pastosen ‚Oberfläche‘.
In ihren aktuellen meist großformatigen Arbeiten nutzt sie dabei Klebebänder zur grundlegenden Erst-Strukturierung der Leinwand. Siebrecht arbeitet dabei auf dem Boden und bezieht Verkrümmungen und Verbeulungen der Leinwand absichtlich mit in den Prozess ein.
„Mit dem Tape gibt sie eine Struktur auf der Leinwand vor, eine Art Stütze.
Diese wird mit Farbspritzern, gespachtelter und gemalter Farbe überarbeitet, so dass oft eine reliefartige Struktur entsteht.
Dass sie die Leinwand nicht nur als reinen Funktionsträger sondern als gestalterischen Teil des Bildes begreift, wird durch die lockere Aufspannung deutlich.
Auch die Malerin selbst steht nicht ruhig an einer Leinwand. Das ein oder andere Mal liegt die Stofffläche auf dem Boden und wird von allen Seiten bearbeitet.
Diese Arbeitsweise erinnert an diejenige des amerikanischen Künstlers Jackson Pollock, der ebenfalls durch Herumschreiten und -laufen seine Körperbewegungen in das Bild mit eintrug und die zu gestaltende Fläche allseitig bearbeitete.
Siebrecht tut dies ebenso durch weit ausladende, gestische Armbewegungen, wie sie beispielsweise der deutsche Informelkünstler Karl Otto Götz ab der Nachkriegszeit mittels seiner Rakeltechnik umsetzte.“
(Simone Rikeit, Kunsthistorikerin)
Codes
We’re readable
Aus der Serie „We’re readable“ von 2013 stammt ein großformatiger, interaktiv angelegten Druck mit dem Titel „Wieviel von dem, was wir sehen, dürfen wir noch glauben?“
Konzept der Serie ist der Einsatz von QR-Codes als gestalterisches Element. Die Codes sind damit sowohl ornamental zu verstehen als auch gleichzeitig Informationsträger, die bei Einsatz eines QR Code Readers eine weitere Bedeutungsebene des Bildes erschließen.
Hinter den Codes verbergen sich beispielsweise Wikileaks Texte und Links sowie polizeiliche Personenprofile.
Für ihre generativen Audio-Visuellen Arbeiten setzt Siebrecht auch generatives Scripting ein und will die Undurchschaubarkeit der aktuellen Datenerfassung abbilden und die beinahe grenzenlose Manipulierbarkeit digitaler Daten in den Blick den rücken.
„Der Betrachter hat die Möglichkeit, mit dem Smartphone und einem Code-Reader die Zeichen abermals zu entschlüsseln und wird auf Sätze stoßen wie: „Internet-Nutzer werden umfassend überwacht“.
„We’re readable“ wirft Fragen auf.
Es sind Fragen wie zum Beispiel:
Welche Daten-Spuren hinterlassen wir?
Welche Auswirkungen hat digitaleTransparenz auf uns und die Gesellschaft?
Welchen Bildern, Nachrichten und Informationen können wir glauben?
Wie funktioniert Demokratie, Selbstbestimmung, Freiheit in Zeiten massenhafter Datenspeicherung und Überwachung? “
(Simone Rikeit, Kunsthistorikerin)
Where is my Code?
Einige grafische Arbeiten mit dem Titel „Where is my Code?“ greifen das Thema der digitalen Daten in eher philosophischer Weise auf:
Die schwarz weiß gehaltenen Portraits zeigen Gesichter in selbstreflektierender, fragender Haltung. Siebrecht fotografiert die fertigen Zeichnungen und extrahiert den in ihnen verborgenen digitalen Code. Diesen nutzt sie dann in einem weiteren Schritt wiederum als formales Gestaltungselement und druckt ihn über die bereits bestehenden Bilder. Die Bilder enthalten sich damit quasi selbst in verwandelter Weise.
Symbole
Die Serie „LAYERS.of.LIFE“ entstand zwischen 2008 und 2013 im Austausch mit der Frankfurter Autorin Beate von Devivere. Der gedankliche Ausgangspunkt ist dabei das Gedicht „delphi – frankfurt – der jugendliche wagenlenker“ von Devivere – die Motive zeigen situative Ausschnitte mit jugendlichen Protagonisten.
Die Arbeiten entstanden in einer Kombination aus Fotografie, Digitaler Komposition und Malerei.
Inhaltlich werden dabei in eher parallel angeordneten Schichten Sinnüberlagerungen angeordnet… Mythologisches im Alltäglichen, funktionale Symbole und Identitäten, modische Religiositäten, Wireframes des Realen, käufliche Identitässtiftungen, bedeutungsvolle Dekoration und Analogie von Widersprüchen…
delphi – frankfurt
der jugendliche wagenlenker
die anmutigen kämpfer
sind mitten unter uns
sie lösen die gleiche fahrkarte
sitzen neben uns
in den u-bahnen der metropolen
lenken ihre unsichtbaren wagen
auf dem weg ins freie
siegesgewiss und geschmeidig
halten sie die zügel in der hand
noch immer lädt der parnass sie ein
und sie träumen von dem gipfel
ihr wunderbares in falten gelegtes gewand
eine verschlissene jeans ihre gaben
tragen sie in haltbaren rucksäcken
mit der aufschrift vision
sie schmieden ihre pläne mit einem lächeln
auf ihrem leicht geöffneten mund
schauen sie in ihre zukunft
so anmutig
© Beate von Devivere, 1. Preis Lyrik, deutschsprachiger Literaturwettbewerb Künstlergilde 2007
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Die von mir sehr geschätzte philosophische Zeitschrift „Integrale Perspektiven“ bat mich eine Position zu meiner künstlerischen Arbeit zu schreiben.
Ich habe dafür eine Gegenüberstellung meiner aktuellen Tape Malerei und der zeichnerischen Serie „Where is my Code?“ gewählt.
Immer diese Enttäuschung!
Die Enttäuschung in den Gesichtern der Menschen, wenn sie vor meinen Bildern stehen, so wie vor einigen Wochen, als ich mit einem Besucher meiner Ausstellung vor dem Bild „Erfassung I“ stand:
„Ich kann gar nichts erkennen!“
„Vielleicht … wenn ich mir Mühe gebe … ah doch …. hier! Einen Baum … oder hm … nein .. ein Einkaufszentrum! Ja! Es ist ein Einkaufszentrum! Hab ich recht? Sie wollten ein Einkaufszentrum malen…?“
Ich denke an den Tag, an dem ich zum ersten mal eine FLÄCHE wahrnahm – einen multi-perspektivischen und dennoch flächigen Bildraum, anstelle einer auf 2 Dimensionen beschränkten Ober-Fläche.
Seither treibt mich der Wunsch an, diesen Bildraum so eindeutig und stimmig zu gestalten, dass er sich für den Betrachter ebenso selbstverständlich erschließt, wie beispielsweise der Anblick eines Stuhls oder eines Tisches – und ich meine tatsächlich den Anblick des Objektes Stuhl oder Tisch, nicht den Anblick des Abbildes des Objektes.
Malerei als EntTäuschung
Während meines Malerei Studiums wurde mir deutlich, dass der künstlerische Prozess zu einer Art Spiegel werden kann, womit ein Dialog zwischen äußerer Gestaltung und innerer Selbst-Gestaltung für mich begann:
Die innere Intention – die gestaltende Bewegung – Reflexion des Gestalteten – Abgleich mit der Intention und zugleich fließende Korrektur des Beabsichtigten anhand des Verwirklichten – erweiternde Verwandlung der Absicht – und wiederum Eintauchen in das Loslassen innerhalb der physischen Ergreifung – Mitfließen bis zum nächsten zurücktretenden Auftauchen – das Gestaltete anerkennen als das Abbild der aktuellen Fähigkeit zur Verwandlung der inneren Intention.
In meiner aktuellen Ausstellung „Codes und Tapes“ in der Galerie „Der Kunstbetrieb“ in Dortmund greife ich dieses Werden des Flächigen auf und stelle diese in ein Gegenüber: malerisch-gefühlt und graphisch-konzeptuell.
Beide Bereiche arbeiten mit der Verwandlung der Oberfläche zur Fläche und der Selbst-Referentialität des Bildes.
Mit Tapes (Klebebändern) – mittels derer ich zu Beginn des Prozesses die Bildfläche grundlegend gliedere, schaffe ich einen Ankerpunkt, zu welchem ich innerhalb des Prozesses immer wieder zurückkehren kann, um die Stimmigkeit zu überprüfen.
Im weiteren Verlauf arbeite ich mit der geklebten Grundstruktur – mal, indem ich sie aufbaue und vertiefe, mal indem ich sie bewusst auflöse.
Bild Entwicklung „Irish Lake“, Tapes und Mischtechnik




Im malerischen Prozess löse ich mich auf diese Weise spielerisch von einer spontan sich aufdrängenden Bewertung:
gut oder schlecht?
Ich stelle die Bewertungen zur Seite, zugunsten der Frage nach der Funktion innerhalb des Gesamten.
Bedeutung wird erst erkennbar im Zurücktreten, während das Detail nur in der gefühlten, nicht reflektierten physischen Einheit stimmig gestaltet werden kann.
Eine qualitative Modulation entsteht an den jeweiligen Übergängen, in einem kontinuierlichen ineinander Schwingen der ‚Pole‘ zwischen Nähe und Ferne, Funktion und Bedeutung, Ruhe und Bewegung, Einzelnem und Gesamtheit, Struktur und Bedeutsamkeit, Hell und Dunkel, Hingabe und Reflexion usw.
Die Malerei bewegt sich also optimalerweise in einer Art Pendel Bewegung, die sich mir auch als Analogie zum Biographischen Gestalten darstellt.
Dem gegenüber stelle ich die grafische, konzeptuelle Serie „Where is my Code?“, die sich mit dem Spiel zwischen analogen und digitalen Medien beschäftigen.
Gezeigt werden Menschen in einer Haltung, als schauten sie in einen (imaginären) Spiegel.




1-
Ich beginne mit musterartigen, kleinteiligen Krakeleien, die das Gesamtbild zunächst in einer Art Chaos anlegen.
2-
Zusammenfassung mittels einfacher gesetzter Flächen.
3-
Bildung grafisch-linearer, übergreifender Bezüge.
4-
Im nun folgenden Schritt fotografiere ich das entstandene Bild und exzerpiere dessen digitalen Code – quasi die „DNA des Bildes“ – mithilfe des Computers.
Fragmente des digitalen Textcodes verwende ich nun wiederum als gestalterisches Element – es entsteht eine Art rekursive Schleife und ein Hin und Her zwischen Funktion und bildhafter Bedeutung.
Das Bild enthält sich selbst, während sich der Ausgangspunkt umstülpt und damit zum gestalterischen Element wird.
Auch hier deuten sich Analogien zum biographischen Erleben und der psychologischen Selbstreflexion an.
Bewusst gestaltete Aufmerksamkeit – auf die eigene Entwicklung gelenkt – wird zum Gestaltungswerkzeug für die eigene Persönlichkeit.
Der Dualismus: Unbewusst / Bewusst löst sich auf zugunsten einer transparenten und immer komplexer werdenden Charakteristik.
Dem gegenüber arbeitet der malerische Prozess über das Empfinden, über ein intuitives und physisches Erspüren der Stimmigkeit.
*
Man verliert sich quasi in der Hingabe an das Detail, um wieder zu erwachen in die ordnenden Tätigkeit der Erfassung des Gesamtzusammenhangs.
Die Malerei hilft, die Illusion über das eigene Selbst schrittweise zu demontieren und ist damit für mich eine liebevolle und kreative Art der Selbst Ent-Täuschung…
Denn jede Unzulänglichkeit ist zugleich Ausgangspunkt für eine neu ausgerichtete absichtliche Verwandlung.
Wir stehen noch eine Weile versunken in die Betrachtung des Bildes „Erfassung III“ und zum Schluss darf ich meine Visitenkarte weiterreichen …
Ich bin froh, dass ich das Einkaufszentrum bis heute nirgends erkennen kann im Bild.
»Wenn Sie im Laufe eines Tages nichts Seltsames bemerkt
haben, war es kein richtiger Tag.«
John Wheeler / Physiker
Es gibt keine Beobachter.
Unsere inneren Erfahrungen werden zu einem Teil dessen, was wir beobachten.
Allein durch das Betrachten werden wir zu einem Teil des Betrachteten
Gregg Braden, Philosoph
Für das Betrachten gibt es keine Dinge ! Nur Oberflächen.
Das ‚Ding‘ sind wir selbst, denn es existiert nur in unseren Gedanken.
Wir sind die Architekten unserer Wirklichkeit.
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In dieser aktuellen Serie arbeite ich mit Tapes (Klebebändern) –
mittels derer ich zu Beginn des Prozesses die Bildfläche grundlegend gliedere, schaffe ich einen Ankerpunkt, zu welchem ich innerhalb des Prozesses immer wieder zurückkehren kann, um die Stimmigkeit zu überprüfen.
Im weiteren Verlauf arbeite ich mit der geklebten Grundstruktur – mal, indem ich sie aufbaue und vertiefe, mal indem ich sie bewusst auflöse.